Georg Nees, ca. 1965
Georg Nees, ca. 1965
Generative Computergraphik

Georg Nees

Dissertation, Universität Stuttgart, 1969

23. Juni 2026 — 100. Geburtstag

1969 legte Georg Nees eine der ersten Dissertationen zur computergenerierten Graphik vor. Seine Bilder entstanden nicht am Bildschirm, sondern auf einem XY-Schreiber: ein Zeichenautomat, dessen Griffel Schritt für Schritt in ALGOL 60 programmiert wurde — Linie für Linie, vom Nullpunkt des Koordinatensystems aus.

Diese Website zeichnet die Originalprogramme kapitelweise neu — als Hommage zum 100. Geburtstag. Jedes Kapitel ist eine Abbildung aus der Dissertation. Im Vordergrund steht der Künstler: der, der wählte, nicht nur das Programm, das zeichnete.

Der künstlerische Prozess

1965 stellte mein Vater seine Graphiken erstmals aus und nannte sie Kunst. Die Ablehnung kam, soweit ich mich erinnere, von der Akademie der Künste — ganz sicher bin ich mir nicht mehr. Generative Graphik, hieß es, sei keine Kunst. An dieser Ablehnung hat er zeit seines Lebens gelitten und daran gezweifelt. Wir haben in ihm immer den Künstler gesehen — einen, der mathematische Fähigkeiten nutzte, um seine Art von Kunst zu machen. Ähnliches widerfuhr anderen Pionieren, etwa Frieder Nake.

Wenn ich mich jetzt mit seiner Doktorarbeit beschäftige, wird mir dieser Prozess deutlich. Zuerst die Wahl der Formen, die er zufällig anordnen wollte: Linien, Rauten, Falter, Rechtecke — wie später in dem bekannten Werk Schotter —, Dreiecke. Dann die Frage, wie die Objekte im Raum liegen sollen, welchen Eindruck das Blatt grundsätzlich machen soll. Dieser Schritt hat vermutlich viele Entwürfe gebraucht, die größtenteils im Kopf liefen. Die Mittel waren knapp: ein Durchlauf dauerte Stunden, Tage, vielleicht Wochen. Ich kann mich gut erinnern, dass die unzähligen verworfenen Grafiken bei uns zu Hause als Schmierpapier genutzt wurden. Ich habe auf den Rückseiten gemalt und Hausaufgaben gemacht. Heute entstehen und ändern sich Bilder in Sekunden, auch mit Hilfe von KI. Damals war jedes Blatt teuer.

Beim Falterschwarm musste er sich für die Stellschrauben entscheiden — aus meiner Erfahrung über einen längeren Zeitraum. Es entstanden immer neue Schwärme, bis eines ihm ästhetisch am nächsten kam. Weil er Parameter setzte, überließ er den Vorgang nicht vollständig dem Zufall. Ergebnisse ließen sich wiederholen. Deshalb können wir die Bilder heute neu erzeugen — und, wenn man will, weiterdenken, etwa mit Farbe in Linie und Füllung. Die Fassung im Buch bleibt die, die er gewählt hat.

Meine Frau hat den Vorgang mit etwas verglichen, das Künstler seit langem tun: Farbe an die Wand spritzen, Pigment auf Wasser treiben lassen, so oft, bis ein Zustand gefällt, und den dann fixieren. Der Zufall arbeitet; die Entscheidung, wann es genug ist, ist die des Künstlers. Eckhard Nees

Leider konnten wir nicht alle Bilder aus dem Buch vollständig rekonstruieren. Falls Sie, Nutzer der Seite, die richtigen Parameter finden, dann würde es uns freuen, von Ihnen die Lösung zu erfahren — bitte an info@nees.app.

Schotter, Original Bild 38 aus der Dissertation, 1969 Schotter · Bild 38

Die Kapitelseiten

Die Kapitelseiten sind wie folgt aufgebaut:

  • Die Grafik füllt den Bildschirm wie ein Plotterblatt.
  • Oben und unten schmale Leisten: Inhalt, vor und zurück, Impressum.
  • Die Parameter starten bei den Buchwerten und zeichnen live neu.
  • Zurück zum Buch holt die gedruckte Fassung.
  • Neu würfeln ändert nur die Startzahlen; der Generator bleibt der historische.
  • ALGOL / JS zeigt den historischen Text neben dem Zeichenkern.
  • Buchtext legt die Sätze aus der Dissertation daneben.

Kapitel

  1. ① Bogenraute Bild 1 / Bild 2
  2. ② Schachtelung Bild 3
  3. ③ Spektrum Bild 5
  4. ④ Falterschwarm Bild 4
  5. ⑤ Irrweg Bild 6–12 · ungefähr
  6. ⑥ Kreisbogen Bild 13 · ungefähr
  7. ⑦ Rechteckfläche Bild 14
  8. ⑧ Sternhaufen Bild 15 · ungefähr
  9. ⑨ Tetraeder Bild 16 · ungefähr
  10. ⑩ Haufen und Gestalt Bild 17 · ungefähr
  11. ⑪ Zweite Eruption Bild 18 · ungefähr
  12. ⑫ Stützpunkte Bild 19
  13. ⑬ Stützpunkte II Bild 20
  14. ⑭ Serie Bild 21
  15. ⑮ Elementarer Irrweg Bild 22 · ungefähr
  16. ⑯ Elementarer Irrweg II Bild 23 · ungefähr
  17. ⑰ Anisotrope Serie Bild 24 · ungefähr
  18. ⑱ Anisotrope Serie II Bild 25 · ungefähr
  19. ⑲ Extremserie I Bild 26
  20. ⑳ Haufen aus Rechtecken Bild 27 · ungefähr
  21. ㉑ Übergang zur Textur Bild 28 · ungefähr
  22. ㉒ Textur Bild 29 · ungefähr
  23. ㉓ Textur II Bild 30
  24. ㉔ Mikroinnovation Bild 31
  25. ㉕ Mikroinnovation II Bild 32
  26. ㉖ Mikroinnovation III Bild 33 · ungefähr
  27. ㉗ Mikadospielhaufen I Bild 34 · ungefähr
  28. ㉘ Kreuzende Linien Bild 35 · ungefähr
  29. ㉙ Offene Textur Bild 36 · ungefähr
  30. ㉚ Locken Bild 37 · ungefähr
  31. ㉛ Schotter Bild 38
  32. ㉜ Addition Bild 39
  33. ㉝ Anisotrope Textur Bild 40
  34. ㉞ Anisotrope Textur II Bild 41
  35. ㉟ Mikadospielhaufen II Bild 42 · ungefähr
  36. ㊱ McKay Bild 43 · ungefähr
  37. ㊲ Gewebe Bild 44
  38. ㊳ Gewebe, Störung zentriert Bild 45
  39. ㊴ Gewebe II Bild 46 · ungefähr
  40. ㊵ Ornament Bild 47 · ungefähr
  41. ㊶ Ornament II Bild 48 · ungefähr
  42. ㊷ Quadratverteilung Bild 49
  43. ㊸ Quadratverteilung II Bild 50
  44. ㊹ Quadratverteilung III Bild 51
  45. ㊺ Kontur und Gestalt Bild 52 · ungefähr
  46. → Verwandte Seiten ZKM, Wikipedia, …